Agape mit regionaler Spezialität: Innviertler Zelten

Was hat Brot mit meinem Hochzeits candy table zu tun? Ausser den Tisch auf dem es angeboten wurde, nicht viel. Nichts desto trotz möchte ich mit euch das Rezept zu unserem Agapen-Brot teilen. Einerseits weil es eine regionale Spezialität ist, anderseits, weil meine Internet-Recherche zu einem Rezept (fast) ergebnislos war.
Das ominöse Gebäck wurde uns bei einem Hochzeitsplanungsbesuch im Sauwald als "Zön" vorgestellt - ein würziger, trockener Brotfladen, ähnlich dem Südtiroler Schüttelbrot.
"Zön", "Zellen" oder zu Deutsch "Zelten" sind eine Innviertler Brot-Spezialität und durch das Einstreichen mit Butter/Öl und Kräuter richtig schmackhaft.
Wie gesagt, meine Rezept-Recherche verlief zuerst nicht erfolgsversprechend - bis ich auf einen tollen Text der oberösterreichischen Heimatblätter stieß, wo sich ein Herr Josef Andessner an seine Kindheit erinnerte und das damalige Brotbacken beschrieb. Auf ein paar Seiten kann man miterleben wie damals gemeinsam gekocht und gebacken wurde und beikommt auch eine kleine Einführung in die damals gelebte Sprache, da viele umgangssprachliche Begriffe erklärt werden ("Bua", "Speis", "kleine und große Dirn"). Als Erwachsener wollte er dieses Wissen nicht verloren gehen lassen und schrieb die Erzählung auf - und wurde damit vor knapp 50 Jahren (!) in den oberösterreichischen Heimatblättern veröffentlicht.
Auch wenn das Rezept an und für sich nichts besonderes ist - es handelt sich um ein gewöhnliches Sauerteig-Brot-Rezept - lohnt es sich die Beschreibung und die nette Geschichte der Teigreste (denn nichts anderes waren früher die Zelten) festzuhalten und weiterzugeben.

Innviertler Zelten ("Zön")

(8 Stk.)
500g Mehl
1 Packung  Trockengerm
1 Packung Sauerteigextrakt (z.B. von Alnatura)
1 Prise Salz
350 ml Wasser
Kräuter (z.B. Oregano, Thymian)
etwas Öl oder Butter



Mehl, Germ, Sauerteigextrakt und Salz vermischen. Das lauwarme Wasser unterrühren und zu einem glatten Teig verkneten. Germteig ca. 20 min an einem warmen Ort (z.B. Backrohr mit 50°C) gehen lassen.
Nachdem der Teig sich ungefähr verdoppelt hat, nochmal gut  durchkneten. Handflächen-große Teig-Portionen herausnehmen und vorsichtig auf Tellergröße auseinander ziehen: Wie beim Pizzateig machen, Teigling langsam drehen und dabei vorsichtig auseinander ziehen.
Wenn vorhanden, auf ein eingefettetes Pizzablech legen oder auf ein mit Backpapier belegtes Blech. Mit Wasser bestreichen, den Kräutern bestreuen und nochmal ca. 10 min gehen lassen.
Währenddessen das Backrohr auf 220°C in der Pizzastufen (Unterhitze mit Heißluft) verheizen. Und dann die Zellen nacheinander für ca. 8 min backen. Nach der Backzeit Zelten vom Blech nehmen mit Butter oder Öl bestreichen und auskühlen lassen.

Passt toll zu Rosé-Frizzante (speziell vom Weingut Denk) oder anderen fruchtigen Weiss- und Rosé-Weinen. Mahlzeit & Prost!

Quelle: "Das Backen des Bauernbrotes im unteren Innviertel, von Josef Andessner, St. Martin i. I.", Oberösterreichische Heimatblätter, Herausgegeben vom Institut für Landeskunde von Oberösterreich, Jahrgang 20, Heft 3/4, Juli - Dezember 1966

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